Sicherheit im Umgang mit Waffen_OT Jakele Thread

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Wir waren gestern zu Dritt auf der Hohen Jagd am Stand von Jakele und haben uns die J1 zuerst zeigen lassen und sie dann ausgiebig befingert und auch den Spannhebel und den Abzug ausprobieren können. Der Spannhebel ist genial einfach und einfach genial: Man spannt unmittelbar vor der Schussabgabe absolut geräuschlos und ohne jeden Zeitverlust. Wenn die Gelegenheit vorübergeht, streckt man den Zeigefinger und entspannt den Mittelfinger in einer natürlichen Bewegung. Und wiederum völlig geräuschlos und ohne an der Waffe umzugreifen.

Somit kann man das Entspannen im Jagdfieber gar nicht vergessen. Es ist Teil eines schnellen und natürlichen Bewegungsablaufes. Eine augenblicklich überzeugende Lösung, die man aber mit eigenen Händen "begreifen" muß. Ferndiagnose helfen da nicht weiter.


Diese Diskussion führte ich auch längst mit einem Jagdfreund, ein absoluter Blaser R8 Superanhänger (fürs Protokoll: führe bald auch wieder eine).

Er kam völlig begeistert von der Messe und sagte: „der hat die Waffe NOCH SICHERER als den R8 gemacht!“

Diese Diskussion um die mangelhafte Waffenhandhabung in der deutschen Jagd („im Jagdfieber vergessen Sicherheit herzustellen“) läuft ja auch gerade im Heym-Thread und mir stellt sich da jedes Mal jeder Fußnagel hoch.

Für mich ist das Argument ein reiner Marketing-Gag für alle Dummen oder Faulen, die in einem eigentlichen Ausbildungsmangel einen Sicherheitsvorteil sehen.

Und bestätigt mich: bevor auch nur irgendein Jäger jemals einen scharfen Schuss abgeben dürfte, sollte er in der Ausbildung gemäß militärischem Vorbild Trockenübungen des Zerlegens/Zusammensetzens sowie der Ladetätigkeiten bis zum Erbrechen eingetrichtert bekommen.

Jeder Jäger sollte die Waffe, die er führt, intuitiv, schnell, blind und sicher, zu jeder Zeit, zu jeder Witterung kontrollieren. Dass die Handspanner da natürlich noch einmal einen Vorteil haben (fertig geladen, entspannt = volle Sicherheit), sehe ich auch.

Das ist aber für mich nicht höchster Anspruch, sondern sollte eigentlich der Standard für jeden legalen Waffenbesitzer sein.

Eine fertiggeladene, gespannte (und somit beim R8 entsicherte Waffe) aus der Hand zu geben oder irgendwo abzulegen DARF EINFACH NIE passieren. Für mich persönlich ein Grund für eine gelbe Karte, bei Wiederholung Verlustgrund der Zuverlässigkeit.
Klar, geht das bei der Jakele jetzt nicht mehr, aber ist sie deshalb (noch) sicherer als ein R8, der jahrelang durch die herausnehmbare Abzugseinheit und die Handspannung als das Nonplusultra der Sicherheit gepriesen wurde?
Mitnichten.

Auf das Argument, dass er aus den Waffen das beste versucht hat rauszuholen, ein anderes Konzept gewählt und sie damit auch wirklich sehr elegant konstruiert hat, das lasse ich gelten. Aber dass sie jetzt sicherer sein soll, darüber lachen doch die Hühner.
 
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Die Argumentation im Heym Faden ist ja das ahnungsloseste überhaupt. Da wird die R8 kritisiert weil sie nach dem Repetieren schussbereit ist. Also wie eigentlich alle Repetierbüchsen seit Jahrzehnten. Es ist schon beeindruckend wie fern von der Praxis hier einzelne Fehlmeinungen vertreten.
 
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Zum eigentlichen Thema: da ich ewig nicht auf Messen war und auch dieses Jahr keine wahrnehmen will und werde, vertage ich mein Date mit der Repetiererin auf nächstes Jahr.
 
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Für mich ist das Argument ein reiner Marketing-Gag für alle Dummen oder Faulen, die in einem eigentlichen Ausbildungsmangel einen Sicherheitsvorteil sehen.

So könnte man auch gegen viele teils gesetzlich vorgeschriebene Assistenzsysteme bei Kraftfahrzeugen argumentieren. Macht aber keiner. Außer Dinosaurier die ihren Oldtimern nachtrauern.
 
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So könnte man auch gegen viele teils gesetzlich vorgeschriebene Assistenzsysteme bei Kraftfahrzeugen argumentieren. Macht aber keiner. Außer Dinosaurier die ihren Oldtimern nachtrauern.
Wir sprechen uns wieder, wenn Deine Abzugseinheit per Funk bei UWB und UJB anfragt, ob Du überhaupt auslösen darfst … ;-)

PS: Mensch, da kann man ja auf tolle Ideen kommen:
- Logfile und Ticketsystem
- Geofence (nur auf Schießständen und vorab hinterlegtem Revier)
- automatischer Abgleich von Streckenliste, gekaufter Patronenzahl und Auslösungen im Revier
- Sperrungen bei OWIs auf Zeit

… da fällt uns doch bestimmt noch mehr ein ;-)
 
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Der Faden ist ja aus 2021, wir sind aber dank Gender Studies nun mittlerweile weiter gekommen. Muss Herr Jakele umsatteln auf "Ens Repetierende"?
 
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Gegenüber einer vernünftigen Schlagbolzensicherung (98er, Schoenauer, Mauser 66) bringt selbst eine Handspannung wie beim R8 keinen Sicherheitsvorteil. Anders sieht es natürlich im Vergleich mit reinen Abzugsicherungen aus. Das Prinzip "Handspannung vor jedem Schuss" hatte Blaser beim SR850/88, es hat sich nicht bewährt.
 
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Eine fertiggeladene, gespannte (und somit beim R8 entsicherte Waffe) aus der Hand zu geben oder irgendwo abzulegen DARF EINFACH NIE passieren. Für mich persönlich ein Grund für eine gelbe Karte, bei Wiederholung Verlustgrund der Zuverlässigkeit.

Mir geht es Beim Thema Handspannung nicht darum die Waffe so aus der Hand zu geben sondern um den Sicherheitsgewinn z.B. beim Pirschen.

Beim Ablegen der Waffe widerspreche ich Dir, auf dem Ansitz lege ich die durchaus auf der Brüstung ab, vermutlich meintest Du das aber nicht.

Gegenüber einer vernünftigen Schlagbolzensicherung (98er, Schoenauer, Mauser 66) bringt selbst eine Handspannung wie beim R8 keinen Sicherheitsvorteil. Anders sieht es natürlich im Vergleich mit reinen Abzugsicherungen aus.

Das sehr ich ganz genau so und mi einer Schlagbolzensicherung hätte ich auch kein Problem. Eine reine Abzugssicherung würde ich für viele Anwendungsfälle aber nicht verwenden wollen. Warum die immer noch gebaut werden erschließt sich mit nicht, scheitert es wirklich an dem kleinen Aufpreis?
 
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fertig geladen, entspannt = volle Sicherheit
Auch wenn ich nichts zur Jakele direkt beitragen kann, kann ich das so nicht stehen lassen. Bei diesem endlosen Thema Sicherheit gehen mir teils auch die Fußnägel hoch.
Eine geladene Waffe ist eine GELADENE Waffe und niemals sicher. Fertig.

Sicherungsmaßnahmen, dazu gehören die Sicherungen und die Handspannmechanismen, dienen dazu, dass sich bei der geladenen Waffe kein ungewollter Schuss löst. Sei es durch einen Sturz auf der Jagd, das umfallen der Waffe auf dem Hochsitz, etc…

Bei allen Sicherungsmaßnahmen muss man schauen, was für einem persönlich das richtige ist. ICH lege großen Wert auf die Ergonomie und Bedienungsfreundlichkeit im jagdlichen Einsatz. Also idealerweise möchte ich die Büchse im Anschlag oder auf dem Weg dort hin entsichern/spannen, ohne dabei meine rechte Hand von dem Pistolengriff zu nehmen. Dann ist die Büchse schussbereit und ich möchte mich nicht mit der permanenten Betätigung von Sicherungsmaßnahmen beschäftigen. Von der Bedienung her finde ich die schlichten 2-Stellungssicherungen von Tikka/Sako sehr gelungen. Das ganze mit der Wirkung auf den Schlagbolzen wäre mein Traum.

Der Handspanner von R8 und SR30 sind auch ok. Funktionieren zuverlässig und teils bedarf es etwas Eingewöhnung. Denn den der r8 finde ich etwas zu stramm um die Büchse schnell beim in-Anschlag-gehen zu spannen. Bei der sr30 muss man beim Repetiervorgang voll durchziehen um die Büchse beim Schließen zu spannen.

Die Sauer 101 lässt sich viel angenehmer schussfertig machen als die 404 mit Handspanner.

Der Handspanner der Mauser m12 ist für mich ergonomisch der letzte Murks. Wer sich das ausgedacht hat…

Also wie überall muss man schauen was einem persönlich wichtig ist.
Dennoch passt das Thema Handspanner und Sicherheit perfekt in die heutige Gesellschaft. Ich muss immer an ein Interview mit einer Frau denken, die ihr Kind mit dem großen Geländewagen in die Schule gefahren hat. Ihr Argument für die Wahl des Autos was die Sicherheit des Kindes auf dem Schulweg….
 
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Hatte noch keine in der Hand. Auf jeden Fall ist es eine in Deutschland von einem fähigen Büchsenmacher hergestellte,sehr schöne Büchse mit einem endlich mal neuen Konzept. Das ist doch erstmal was gutes. Dass sie kein herausnehmbares Magazin hat, empfinde ich persönlich als Nachteil,ist aber wahrscheinlich der filigranen Bauweise geschuldet.
Wie sie sich im Jagdalltag bewährt, würde ich gerne mehr von denen hören, die sie benutzen, bevor man sie ständig in der grauen Theorie schlecht redet.
 
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Hatte noch keine in der Hand. Auf jeden Fall ist es eine in Deutschland von einem fähigen Büchsenmacher hergestellte,sehr schöne Büchse mit einem endlich mal neuen Konzept. Das ist doch erstmal was gutes. Dass sie kein herausnehmbares Magazin hat, empfinde ich persönlich als Nachteil,ist aber wahrscheinlich der filigranen Bauweise geschuldet.
Wie sie sich im Jagdalltag bewährt, würde ich gerne mehr von denen hören, die sie benutzen, bevor man sie ständig in der grauen Theorie schlecht redet.

Ein neues Konzept ist das sicher nicht. ein Bekannter hatte mal eine BBF (aus Italien) mit genau dem selben Pistolengriff Spannsystem. Das hat sich aber nicht durchgesetzt.
 
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Auch wenn ich nichts zur Jakele direkt beitragen kann, kann ich das so nicht stehen lassen. Bei diesem endlosen Thema Sicherheit gehen mir teils auch die Fußnägel hoch.
Eine geladene Waffe ist eine GELADENE Waffe und niemals sicher. Fertig.

Du brauchst mir als ausgebildetem Schießausbilder und -lehrer aus Bundeswehrzeiten nichts erzählen. Schon gar nicht das Wort herum drehen.
Streng genommen nach den vier elementaren Regeln ist sogar KEINE Waffe als sicher zu betrachten, denn: 1. Sicherheitsregel: Jede Schusswaffe ist grundsätzlich, immer und zu jeder Zeit als geladen zu betrachten.
Wenn Du je gedient hast, brauche ich Dir das ja nicht erzählen.

Die Anwendung der vier Handhabungsregeln im Umgang mit Feuerwaffen stehen natürlich über allem. Wieviele Jäger (nicht die Truppengattung!) können die nachts um drei runterbeten?

Vielmehr bitte ich Dich entgegen der Sicherheitsregeln im Umgang mit Feuerwaffen mir Statistiken zu zeigen, wie oft eine Waffe im Ladezustand „teilgeladen, gesichert, entspannt“ (bei Handspannung von mir aus auch „fertiggeladen, entspannt und damit gesichert“) zu einem ungewollten Schuss gekommen ist (oder kommen kann). Auch wenn sie von der Kanzel fällt.

Sicherungsmaßnahmen, dazu gehören die Sicherungen und die Handspannmechanismen, dienen dazu, dass sich bei der geladenen Waffe kein ungewollter Schuss löst. Sei es durch einen Sturz auf der Jagd, das umfallen der Waffe auf dem Hochsitz, etc…
Thanks for making my point. Nur eine entspannte Waffe bietet echte Sicherheit. Ausreichend ist sicherlich auch eine Sicherung, die auf den Schlagbolzen direkt wirkt.

Hunderttausende Soldaten kämpfen, springen über Gräben, etc. sogar mit Gewehren, die lediglich eine Abzugssicherung haben. Deshalb ist die Waffe dennoch: Teil- oder fertiggeladen, gespannt, gesichert.

Die würde ich nicht vom Hochsitz schmeißen, auch nicht mit direkter Schlagbolzensicherung.

Leute… zwischen ge/entspannt und ge/entsichert ist schon ein Unterschied…

Und deshalb mein Credo: jeder Mensch, der eine Waffe führt, MUSS sie zu jeder Zeit intuitiv und instinktiv korrekt handhaben und beherrschen! Dazu zählt der unmittelbare Spann/Entspannvorgang bzw. die Betätigung der Sicherung erst unmittelbar vor dem
Schuss und Sicherheit herstellen auch nach dem (nicht)erfolgten Schuss.

Das darf streng genommen keine bewusste Handlung sein, sondern in Fleisch und Blut übergegangen. Das war meine Rede!
 

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